Glowscreen – Über das Verschwinden des Feuers aus dem Licht

02_brieffreund-web… Ganz unbemerkt kommt uns das Feuer im Licht abhanden. Das ist eine ganz gewaltige Veränderung. Sie fällt vielleicht weniger auf, als wenn uns die Luft ausginge. Sobald man aber anfängt auf die verschiedenen Lichtqualitäten zu achten, wird es deutlicher: Sonnenlicht berührt uns mit seiner Wärmestrahlung die Haut. Ebenso die Glühlampe, denn normalerweise stammt das Licht vom Feuer und ist nicht nur hell sondern auch warm. Bei den wenigen natürlichen Ausnahmen dieser Regel, bei Nordlicht, Glühwürmchen oder Meeresleuchten, da empfinden wir so etwas, wozu wir vielleicht sagen, dass es wie “nicht von dieser Welt” ist. Nun wurden im letzten Jahrhundert nicht nur Lichtquellen sondern auch Bildflächen erfunden, die das Feuer weglassen. Zu Beginn die Neonröhre und der Kathodenfernseher, dann die Fluoreszenzröhre und der LED Bildschirm. Beides durchsetzt unsere Alltagsumgebung und verdrängt immer mehr den Blick ins Tageslicht, ins Feuer oder mindestens in die Glühbirne.

 

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Die erste Frage ist nun, was passiert, wenn uns das Feuer im Licht abhanden kommt? Was macht dieses Feuer mit uns und was wird uns demnach fehlen wenn es nicht mehr da ist? Es wärmt uns, es berührt uns, auch unmerklich fein. Unser Blut fliesst regelmässig durch unsere Netzhaut und wenn wir gesund sind, auch nahe an die Hautoberfläche und wird dort direkt dem Licht ausgesetzt und verändert. Was ändert sich, wenn dort nun die Wärmestrahlung fehlt? Wie verändern wir uns, wenn wir nicht mehr mit Wärmestrahlung berührt werden?

 

Die zweite Frage oder vielleicht besser These, die ich im Zusammenhang mit Lichtqualitäten und glowscreens stellen möchte, geht in etwa so: Könnte es sein, dass die Empfindung von “hier und jetzt” daran geknüpft ist, dass der Raum in dem wir sind, in ein und dasselbe Licht getaucht ist, was ja normalerweise der Fall ist. Und könnte es sein, dass wenn in 01_Brieffreund_webdiesem Raum eine Fläche von ganz andersartigem Licht wie z.B. bei einem Bildschirm auftaucht, wir nicht mehr fähig sind diese Fläche in seinem Umgebungsraum zu integrieren. Und könnte es sein, dass wir deswegen, während wir auf einen Bildschirm schauen, uns vom übrigen Raum verabschieden weil wir nicht an zwei Orten gleichzeitig sein können? Das würde bedeuten, dass die Abwesenheit beim glotzen auf den Bildschirm nichts mit dem zu tun hat, was dort drauf zu sehen ist, auch nicht unbedingt mit dem fixen Fokus oder anderen Effekten, sondern vor allem mit der Unvereinbarkeit zweier völlig verschiedener Lichtqualitäten nämlich derjenigen im Bildschirm und derjenigen der Umgebung.


 

 

 

 

 

Material

1 Glühbirne 150W

4 alte Bildschirme

4 DVI / HDMI Adapter

4 Raspberry Pi

4 SD Karten mit Software

4 Netzteile 5v2a

Tesa-Band

Kistchen

Kabel

Zeitschaltuhr

Sockel

 

Bauanleitung

Die 4 Bildschirme zerlegen und Hinterleuchtung entfernen, an den Kanten mit Tesaband verbinden, je eine Mattfolie hinter die Glasfläche kleben, alles auf Rahmebrett schrauben. Jeweils Controler des Bildschirm von seinem Netzteil trennen, über Adapter mit Raspberry Pi verbinden, mit extra Netzteil beides mit Strom versorgen, alles einlagig in 3 cm hohe Kiste unter dem Schirm einbauen. Bildschirm-cube auf Kistchen schrauben, anschliessen, Brett mit Glühbirnensockel und Birne von oben versenken und auf die Steuerung legen. Auf Sockel stellen und alles anschliessen.

 


 

Dieser Glowscreen ist ein experimenteller Beitrag zu diesem Thema.
Der Glowscreen wird im unternehmen mitte zum Inventar des Hauses gehören und für Ausstellungen und Installationen zur Verfügung stehen.

Idee und Umsetzung  Georg Hasler

Kontakt  Esther Petsche@mitte.ch

Infos unter  glowscreen.org