Splitter – ein musikalisches Kaleidoskop

30.01.2019 / 20:00 - 22:00 Uhr

unternehmen mitte - Safe

mit Julia Wahren – Stimme / Performance & Egidius Streiff – Violine

und dem Ensemble Horizonte Detmold: Milena Schuster- Violine, Maria Pache – Viola,

Martina Styppa – Violoncello, Jörg-Peter Mittmann – Oboe, Helene Schütz – Harfe

 

Giacinto Scelsi (1905 – 1988)              Arc en ciel (1973)  für Violine und Viola
Max E. Keller (1947)                             Mobile (2013) für 2-5 Mitwirkende ad libitum

Claudio Monteverdi (1567 – 1643)      Zefiro torna (1632) arr. für Ensemble

Guillaume de Machaut (1300-77)       Rondeau ‚Ma fin est mon commencement‘

Julia Wahren                                           Tonfischen (Hans Arp) für Stimme solo (2018)

Bernd A. Zimmermann (1918-1970)   Sonate für Violine solo (1951)

Jörg-Peter Mittmann (1962)                 tenebrae (2005) für Oboe und Streichtrio

Kaija Saariaho (1952)                           aus: Cloud Trio (2009) für Streichtrio

Claudio Monteverdi (1567-1643)        Venite, Venite! (1632) arr. für Ensemble

Malika Kishino (1971)                           Lamento (2014) für Violine und Viola

Jean-Luc Darbellay (1946)                   Chemins croisés (2018) für Oboe und Viola

Texte von Duchamp, Schwitters, Picabia, Arp u.a.

 

Scheinbar ungeordnet trifft Musik aus Mittelalter und Frühbarock auf avantgardistische Klänge, überlagert und kontrastiert mit Texten aus dem Umfeld von Marcel Duchamp und dem frühen Dadaismus. Aus der scheinbaren Sinnlosigkeit von Klang- und Wortfolgen schält sich allmählich ein Beziehungsgeflecht heraus, das Grundkonstanten unseres musikalischen und logischen Verstehens greifbar macht und den Bogen spannt über Musik verschiedenster Stilrichtungen und Epochen.

 

In Mobile von Max E. Keller spielt jedes Instrument in freier Reihenfolge die ihm zusagenden, sehr unterschiedlichen Elemente: von verbaler Anregung bis zu auskomponierten Passagen. Die gesellschaftliche Kehrseite solch freier Wahl aus Vielgestaltigem ist Beliebigkeit und Nivellierung bis zur Orientierungslosigkeit – wie im Internet. Die sehr heterogenen Texte spiegeln dies.

Die Sonate für Violine solo ist eines der ersten Meisterwerke von Zimmermann; teils zwölftönig, teils in archaischen Formen (Präludium, Rhapsodie, Toccata) erdacht, gelingt Zimmermann ein virtuos beseeltes Geigenstück. Noch enthält er sich der experimentellen Elemente der Sonate für Cello solo, doch die eigene, immer leicht ironisch sprunghafte Sprache ist schon gut hörbar.

Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit spielt im Komponieren von Jörg-Peter Mittmann eine große Rolle. In tenebrae sind es die Schatten des Faschismus, die schier unvorstellbare Kluft zwischen klassisch-romantischer Hochkultur und der Barbarei des Rassenwahns. Ein deformiertes Motiv von Brahms kreist ausweglos in sich, während die Oboe auszubrechen versucht.

Die in Deutschland lebende japanische Komponistin Malika Kishino schrieb Lamento zum Gedenken an die Opfer des großen Erdbebens und Tsunamis von 2011. Die Symbiose von Mensch und Natur stellt sich in Japan als eine Herausforderung ganz eigener Art dar. Sie bewegt sich im Spannungsfeld einer überaus malerischen Landschaft und zugleich der Präsenz extremer Naturgewalten.

In Jean-Luc Darbellays Werke kreuzen sich die „Wege“ der beiden so ungleich klingenden Instrumente permanent. In sechs, zum Teil sehr kurzen Sequenzen, ergänzen sich innigste Verschränkungen und expressive solistische Passagen. So verbinden sich die gleichzeitig divergierenden und konvergierenden Eigenschaften der Instrumente zu einem charakteristischen Klangfarbenspiel.

 

Das Ensemble Horizonte, gegründet 1990, hat sich vor allem durch zahlreiche Uraufführungen, CD-Einspielungen, innovative Programmkonzepte und interdisziplinäre Programme einen Namen gemacht. „Splitter“ wurde für eine USA-Tournee im Dezember 2017 gemeinsam mit der Münchener Performance-Künstlerin Julia Wahren entwickelt und ist auch in Bonn, München und Hamburg präsentiert worden.